• Ralph Larouette

WEGGESCHMISSEN WIRD DAS NICHT!

Hörte ich immer, wenn der kleine Bub nicht alles aufessen wollte. Der kleine Bub war ich, und es war in der schweren Zeit. Das Wort "Krieg" war noch allgegenwärtig - Erinnerungen die heute wieder schwerfallen, bedrücken. Und tatsächlich wurde nix weggeschmissen, garnix, besonders "Brot wird nicht weggeworfen", das war der Satz der über Allem stand. Und ich habe ihn nie vergessen und immer danach gehandelt, auch in den reichen Zeiten, die wir hinter uns haben. Brotreste kommen in einen großen luftigen Stoffbeutel, darin trocknen sie für die spätere Verwendung in der Küche, für Frikadellen, Panade, Hackbraten und, ganz richtig, Brotsuppe. Es gibt sie in Variationen von mediterran, fränkisch (besonders gut), schwäbisch (sparsam), hessisch (mit Worscht un Woi), elsässisch (auch, aber besser) und so weiter. Maßgeblich ist natürlich das Brot, meine Großmutter Emilie Larouette brachte es damals immer wieder fertig, gutes Weißbrot zu besorgen. In Wiesbaden gab es ja Bäcker, die ziemlich richtige Baguettes herstellten, und die Suppe aus deren Resten, die schmeckte sowas von gut! Aber auch aus den Wiesbadener "Wasserwecken" kann man eine gute Suppe machen: Zum trocknen schneidet man das Brot am besten in Scheiben. Diese werden dann für die Suppe in einer Pfanne in Butter gebraten, da bekommen sie eine appetitliche Farbe und ein schönes Röstaroma. Aus einer großen Zwiebel in dünnen Scheiben mache ich eine Zwiebelschmelze, mit Butter, Salz und etwas Zucker in einem Topf mit Deckel. Und wenn man will auch mit Speck (ich will). Bei niedriger Temperatur braucht das mindestens 10 Minuten. So, wo ist die Gemüsebrühe, die in jeder Küche vorrätig sein sollte?? Macht nix, wir machen eine gute Brühe aus der Paste von Wela oder Langbein, Kalb, Gemüse oder Rind, damit löschen wir nun die Zwiebelschmelze ab und lassen es ein bisschen köcheln. Noch mehr Brühe! Wir machen ja eine Suppe! Jetzt raus auf den Balkon, Liebstöckel schneiden und Schnittlauch. Die Kräuter hacken und das geröstete Brot in die Suppe geben, leicht rühren und je nach Geschmack noch weiteres getrocknetes Brot dazugeben. Nochmal rühren, etwas ziehen lasse und in die Suppenteller verteilen. Die gehackten Kräuter drüber streuen und hinsetzen zur Abendbrotsuppe.

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